mardi 27 janvier 2015

Iwan, der halb so Schreckliche



Neue Mythen braucht das Land: Russlands Propagandisten haben das Mittelalter und die frühe Zarenzeit für sich entdeckt. Wie sie die Geschichte umdeuten, ist derzeit in einer großen historischen Schau im Lande zu besichtigen. von Michael Thumann




Russland ist eine heilige Sache. "Nur glauben kann man an dieses Land", schrieb 1866 der Dichter Fjodor Tjutschew. Bei dem Philosophen Nikolai Berdjajew heißt es wenig später: "Sehr stark ist im russischen Volk die Religion der Erde, sie ist in einer sehr tiefen Schicht der russischen Seele angelegt." Wladimir Putin hat diese Tradition verinnerlicht und die Krim jüngst zur heiligen Stätte Russlands erklärt, so "heilig wie der Tempelberg für Muslime und Juden".



Etwas Religiöses lag schon in der Sinnsuche der neunziger Jahre, als der damalige Präsident Boris Jelzin mit einem landesweiten Preisausschreiben dazu aufrief, die "russische Idee" zu ergründen. In Moskau wurde damals gerade die Christ-Erlöser-Kathedrale wiedererrichtet. Das Land fragte nach seiner Identität. Heute bemühen sich der Präsident, das staatstreue Fernsehen und die orthodoxe Kirche erst recht um Antworten. Mit allen Mitteln versuchen sie, das Vakuum zu füllen, das sich nach dem Ende des Sowjetkommunismus aufgetan hat, und verbreiten in Reden, Fernsehserien und Ausstellungen Bilder von der vergangenen und der zukünftigen Größe des Landes.





Iwan, der halb so Schreckliche

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