mardi 27 janvier 2015

Wie das Wetter die Sprache prägt



In Tonsprachen wie dem Chinesischen hat ein Wort je nach Aussprache ganz unterschiedliche Bedeutungen. Forscher glauben nun, dass feuchtes Klima die Entwicklung solcher Sprachen ermöglichte. Von Andrea Hoferichter




Hohe Luftfeuchtigkeit fördert nicht nur das Wachstum vieler Pflanzen, sondern auch die Entwicklung nuancenreicher Tonsprachen wie Hochchinesisch, Thai oder manche Maya-Sprachen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der University of Miami, der Leipziger Max-Planck Institute (MPI) für evolutionäre Anthropologie beziehungsweise für Mathematik in den Naturwissenschaften und des MPI für Psycholinguistik, Nijmegen. Tonsprachen verleihen einzelnen Wörtern allein durch die Betonung verschiedene Bedeutungen. Das chinesische Wort "ma" etwa kann Mutter, Hanf, schimpfen oder putzen heißen, um nur einige Übersetzungsmöglichkeiten zu nennen.



"Es gibt zu viele Unbekannte"



"Tonsprachen haben sich vor allem in feuchten Klimazonen entwickelt, etwa in Südostasien, in Westafrika oder im Amazonasgebiet", berichten die Forscher im Fachmagazin PNAS (online). Dagegen stellten Wüsten oder Klimazonen mit kältebedingt trockener Luft eine Barriere für die Ausbreitung dieser Sprachen dar. Die Wissenschaftler untermauern ihre These mit Daten und Simulationen zu mehr als 3700 Sprachen. Der biophysikalische Hintergrund ist zudem durch zahlreiche Studien belegt. Danach erschweren trockene Stimmbänder die Artikulierung und damit feinere Akzentuierungen der Tonlage und Lautstärke.



Horst Müller, Neurolinguist an der Universität Bielefeld, glaubt dennoch nicht an einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Klimazonen und der Ausbildung von Tonsprachen.





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